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Individuelles Lernen

Unsere Leitlinien eines individuellen Lernens

individuelles lernen

  • gemeinsames Leben und Lernen aller Kinder
  • von den Stärken des Kindes ausgehen
  • äußere Differenzierung dann, wenn es für das Kind notwendig ist
  • sorgfältige, Prozess begleitende Diagnostik in allen Jahrgängen
  • Förderstunden – „Passung“ zum normalen Unterricht
  • viele Stunden in der Hand der Klassenlehrerin
  • jahrgangsübergreifender Unterricht
  • wöchentliche Teamgespräche und Konsens über Didaktik und Methodik
  • Lern- und Fördervereinbarungen in „Triangelgesprächen“ (Kind, Eltern, LehrerIn)
  • Erziehungsvertrag

    individuelles lernen

Individuelles Lernen im Unterricht der Bodelschwingh-Schule

  • Arbeit im Team (GrundschullehrerInnen, SonderpadägogInnen, IntegrationshelferInnen)
  • intensive, individuelle Begleitung der Kinder
  • differenzierte Aufgaben (Arbeitspläne)
  • gemeinsame Themen, zu denen jedes Kind seinen individuellen Beitrag leistet
  • Spezialisten
  • Lernen auf eigenen Wegen (Forscheraufgaben, Themenhefte)
  • Lernen in Zusammenhängen (Rechenkonferenzen, Rechtschreibdiskussion, Klassenrat)
  • Dokumentation (Wochenpläne, Lerntagebücher, Präsentationen, Ausstellungen)
  • Vertrautheit der Materialien und Arbeitsformen in allen Schuljahren

    individuelles lernen

  • Rhythmisierung des Tages
  • Bedeutung der Sprache in allen Fächern

Sprachförderkonzept

  • Sprachförderung als durchgängiges Prinzip in allen Lernbereichen
  • zusätzliche Angebote mit herausforderndem Charakter (Theater, Pinnwand, Schulzeitung)
  • Vernetzung mit der Sprachförderung der Vorschulkinder
  • Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“
  • Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek
  • Freie Lesezeit (Förderung des genießenden Lesens)

Erfahren Sie mehr über das aktuelle Sprachförderkonzept der Bodelschwingh-Schule, Entwurf vom 29.10.2012 (Anlage unten)

 

 

individuelles lernen

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinder, die kein Deutsch sprechen
              
Seit Anfang des Schuljahres 2014/15 kommen vermehrt Kinder ohne Deutschkenntnisse und mit sehr unterschiedlichen Zuwanderungsbiografien daz01zu uns. Wir haben versucht, diese Kinder gleichmäßig auf alle Klassen zu verteilen, was aufgrund der Jahrgangsmischung kein Problem war. So unterschiedlich ihre Geschichten und Persönlichkeiten sind, so verschieden haben sich diese Kinder in unseren Klassen eingelebt. Die Spanne reicht vom kleinen Schulanfängerkind, das sich zunächst wochenlang nicht von der großen Schwester  trennen konnte und sie mit in die Schule brachte, bis zum fast zwölfjährigen Teenager, der Schule nicht besonders cool fand und andere zum Schwänzen verleitete. Hier bewährte sich der gelassene Blick auf Verschiedenheit und die Freude am Neuen und Überraschenden, das da plötzlich in der Schule Einzug hielt.

Uns wurde sehr schnell deutlich, dass wir für die Kinder mehr Unterstützung brauchten, als wir in unseren Klassen zur Verfügung stellen konnten. Über die Bürgerstiftung der Stadt Kreuztal kamen im Laufe des daz02vergangenen Schuljahres engagierte „Lernpatinnen“ zu uns, die liebevoll und geduldig mehrmals die Woche mit den Kindern einzeln arbeiteten. Durch Fördermittel des KI (Kommunales Integrationszentrum) konnten wir diese Arbeit mit einer Fülle an Materialien unterstützen. Seit Mitte Dezember ist unserer Schule eine halbe Stelle aus dem Bereich DaZ zugeteilt.

Für den Umgang mit den Kindern, die kein Deutsch sprechen, gilt grundsätzlich das Gleiche, das uns beim Unterricht für alle Kinder mit Deutsch als Zweitsprache wichtig ist:
„Möglicherweise geht es in der Sprachförderung weniger um Spezialisierung und Diagnostik, als um eine disziplinär-integrative, ganzheitliche Pädagogik, die Bescheidenheit, Wirksamkeit, Cleverness und Menschlichkeit an erste Stelle setzt.“
Rainer Domisch (aus: Niemand wird zurückgelassen – eine Schule für alle. Hrsg. Rainer Domisch/Anne Klein, München 2012, S. 175)

Diese „disziplinär-integrative, ganzheitliche Pädagogik“, die sich an den jeweiligen Bedürfnissen der Kinder orientiert, folgt diesen auf ihren unterschiedlichen Wegen zur Sprache, nimmt ihre Muttersprache und ihre Lebenswirklichkeit als Motor des Lernens in den Blick und vermeidet die starre Anwendung von Sprachlernprogrammen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Lernpatinnen können solche individuellen Lernwege beschritten und die Kinder in ihrer jeweiligen Besonderheit ernst genommen werden. In den Klassen wiederum erhalten die Kinder durch die ritualisierten Abläufe des Schulvormittages und die Anregung durch ihre MitschülerInnen eine Fülle sprachlicher Impulse, die ihnen helfen, ihren Wortschatz zu erweitern und ihr Sprachverstehen zu verbessern.
Vor allem formalen sprachlichen Lernen steht für uns die Integration der Kinder in bestehende Sozial- und Verhaltensformen im Vordergrund. Die Leitfrage hierfür lautet: Was versteht das Kind im jeweiligen Kontext und wie kann dieser Kontext für seine persönliche Weiterentwicklung genutzt werden? „Menschlichkeit und Wirksamkeit“ in einem ganzheitlichen Ansatz nimmt die Situation des Kindes als Suchenden nach Teilhabe und Sinn in den Blick. Wenn ein Kind nicht versteht, was in der Gruppe gesprochen wird, wenn es die geltenden Regeln des Miteinanders nicht durchschaut und ständig auf Deutungen angewiesen ist, dann hat das Auswirkungen auf sein Selbstbild und auf sein Verhalten. Die betroffenen Kinder fühlen sich schnell ausgegrenzt oder interpretieren das Gruppengeschehen als gegen sie gerichtet. Uns ist es wichtig, diese Prozesse wahrzunehmen und alle Beteiligten bei der Klärung solcher Missverständnisse zu unterstützen. Nur so können wir verhindern, dass den Kindern entweder die aggressive Reaktion oder der resignative Rückzug als einzige Verhaltensmöglichkeiten offen bleiben. Hier geht es vor allem um die Ermutigung zum Nachfragen, um den Erwerb von Strategien zur Teilhabe am Gruppengeschehen und um den Aufbau einer Kultur der Streitschlichtung.
Sprachliches Lernen ist angewiesen auf die emotionale Beteiligung des Kindes und die Motivation, sich mitteilen zu wollen. Gerade in informellen Kommunikationssituationen ist es daher wichtig, diese Motivation zu stärken und gelungene Kommunikation erlebbar zu machen. Das Spiel in den Pausen, die gemeinsame Bearbeitung von Lernaufgaben oder der Austausch über ein Thema sind Sprechanlässe, die in ihrer Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Sie zu nutzen und sowohl den die Sprache lernenden Kindern als auch den Kindern, die Sprache vermitteln, sinnvolle Unterstützung zu geben, fordert Kreativität, Einfühlungsvermögen und Geduld.
Uns ist es wichtig, auch die Kinder ohne Deutschkenntnisse mit ihren Stärken wahrzunehmen. Die Notwendigkeit, Körpersprache zu deuten und Sinnzusammenhänge zu nutzen, fordert diese Kinder in besonderer Weise heraus. Diese Herausforderung für die gesamte Lerngruppe fruchtbar zu machen und mit allen Kindern über nonverbale Kommunikation zu sprechen und diese zu erproben, ermöglicht den Kindern ohne Deutschkenntnisse, sich auf Augenhöhe einzubringen. daz03Weitere Impulse für die Arbeit in der Lerngruppe könnte die Auseinandersetzung mit den Herkunftsländern der zugewanderten Kinder, ihren Biografien, Traditionen und kulturellen Besonderheiten sein. Hier gilt besonders, „Bescheidenheit und Menschlichkeit“ wirken zu lassen, denn manche dieser Kinder bringen Erfahrungen und Prägungen mit, die nur sehr behutsam und mit großem Einfühlungsvermögen angesprochen werden können.

Die Aufnahme von Kindern ohne Deutschkenntnisse ist ein weiterer Aspekt von Heterogenität. Die grundsätzliche Annahme von Verschiedenheit als Bereicherung hilft, die täglichen praktischen Herausforderungen mit diesen Kindern kreativ zu lösen.