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Konzept für das Gemeinsame Lernen

gemeinsames lernen


Jedes Kind hat einzigartige Merkmale, Interessen, Fähigkeiten und Lernbedürfnisse. Schulsysteme sollten so beschaffen sein, dass sie diese weite Variation in Merkmalen und Bedürfnissen berücksichtigen. Kinder mit besonderem Förderbedarf müssen Zugang zu allgemeinen Schulen haben, die ihren Förderbedarf im Rahmen einer kindzentrierten Pädagogik erfüllen sollten. Allgemeine Schulen mit inklusiver Orientierung sind die wirkungsvollsten Einrichtungen, um diskriminierende Vorurteile zu bekämpfen, eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und eine „Erziehung für alle“ zu gewährleisten“.

Erklärung der UNESCO, Salamanca, 1994

Seit dem Jahr 2003 orientieren sich die Grundgedanken unserer Arbeit im Gemeinsamen Unterricht an den Leitzielen der Vereinten Nationen (Erklärung der UNESCO, 1994) als Grundlage der Ausgestaltung des Schulprogramms. Sie bildet den Handlungsrahmen für unsere pädagogische Arbeit und ist Motor für die Weiterentwicklung des Schullebens.

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im März 2009 erhielt der Gemeinsame Unterricht eine neue Perspektive. Die oben zitierte Erklärung von Salamanca wurde im Artikel 24 der UN-Konvention aufgenommen, in dem es heißt:
“Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen …“.

Im August 2014 trat in Nordrhein-Westfalen das 9. Schulrechtsänderungsgesetz in Kraft. In diesem Gesetz wurden die Inhalte der UN-Behindertenrechtskonvention für die Umsetzung in einem inklusiven Schulsystem festgeschrieben. Die Organisationsform sonderpädagogischer Unterstützung änderte sich, ebenso der Stellenwert der Regelbeschulung für alle Kinder mit Behinderungen: Sonderpädagogische Unterstützung wurde fest an allen Schulen verankert, und die Regelschule als Förderort für alle Kinder bestimmt. Die daraus folgenden konkreten  Auswirkungen für unsere Schule ist die Zuweisung fester Stellen für Sonderpädagogische Lehrkräfte und die Möglichkeit, diese Lehrkräfte auch für die präventive Arbeit einzusetzen.  Für unsere konkrete pädagogische Arbeit mit den Kindern in den Klassen änderte sich jedoch nichts. Da wir uns von Anbeginn an der Erklärung von Salamanca orientiert haben, sind für uns die grundlegenden pädagogischen Entscheidungen bereits von Beginn an von dem Gedanken der Teilhabe und der dazu notwendigen Gestaltung eines inklusiven Schulsystems getragen.
Dabei verstehen wir Inklusion nicht als Entgegenkommen gegenüber einer Minderheit, sondern als das Recht eines jeden einzelnen Kindes. Auch die Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf haben das Recht, gemeinsam mit behinderten Kindern zu leben und zu lernen. Ihnen wird ein Teil der Wirklichkeit und damit eigene Bildungs- und Entwicklungschancen vorenthalten, wenn sie isoliert von Menschen mit Behinderung aufwachsen.

Fünf Grundgedanken prägen die Arbeit im Gemeinsamen Lernen:

1. Wir möchten für alle Kinder eine individuelle Förderung in hoher Qualität
Ziel einer individuellen Förderung ist es nach unserem Verständnis, allen Kindern sowohl unterschiedliche Zugänge, Wege und Materialien als auch ein unterschiedliches Lerntempo zu ermöglichen. Gemeinsames Lernen kann nur gelingen, wenn langsamer lernende Kinder die notwendige Zeit für ihre Entwicklung erhalten. Das wird besonders deutlich bei Kindern, die zieldifferent unterrichtet werden. Das Lernen in jahrgangsübergreifenden Klassen bietet hervorragende Möglichkeiten, jedes Kind in seinem Tempo lernen zu lassen, ohne innerhalb der Lerngruppe zunehmend isoliert zu werden.
Wir bieten immer wieder Inhalte an, an denen alle Kinder arbeiten können. Wir nennen das „die gute Lernaufgabe für alle“. Dabei ist jedes Kind gefordert, sein Bestes zu geben und sich mit den Anforderungen auf seine Weise auseinanderzusetzen.
Der Blick auf die Stärken jedes Kindes schafft die Grundlage dafür, dass das Kind sich selbstbewusst auch seinen Schwierigkeiten stellen kann. Bei der Diagnose und Erfassung von Lernständen und Lernfortschritten sind darum vor allem die Stärken und Potenziale des Kindes im Fokus und bilden die Grundlage jeder individuellen Förderung. An dieser Stelle unterstützt sonderpädagogische Arbeit die Erfassung von Lernständen und -fortschritten und trägt prozessbegleitende Diagnostik zur Klärung von Lernschwierigkeiten bei.

2. Wir ermöglichen allen Kindern das Lernen in der gesamten Lerngruppe, in kleineren Teilgruppen und in Einzelförderung
Das Gemeinsame Lernen allein bildet keinen eigenen Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit und somit unseres Schulprogramms, sondern wird getragen durch das grundlegende pädagogisch-methodische Konzept unserer Schule, das Heterogenität als Lernchance bejaht und gegenseitige Wertschätzung nicht nur fordert, sondern bis in die Würdigung der Leistungen eines jeden Kindes hinein umzusetzen versucht.
Wir befürworten das gemeinsame Lernen aller Kinder nicht nur im Blick auf Schule als Lernort, sondern auch in der täglichen Arbeit in der Klasse.
Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf erproben eigene Lernwege, nutzen eigene Lernstrategien und lernen dabei mit- und voneinander. Wichtig für eine individuelle Förderung im Klassenverband ist uns eine Differenzierung in Bezug auf Organisation, Material und Arbeitsformen. Dabei geht die Differenzierung auch vom Kind aus, das in einer vorbereiteten Lernumgebung auf differenzierte Materialien und verschiedene Lernpartner und Lernpartnerinnen selbstständig zurückgreifen kann.
Gemeinsames Lernen bedeutet darum für uns, dass die Kinder mit besonderem Förderbedarf innerhalb des Gesamtunterrichts in der Klasse gemäß ihrer Fähigkeiten arbeiten. Die phasenweise Arbeit mit einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen ist dabei eine Unterrichtsorganisation, die alle Kindern einbezieht, unabhängig davon, ob die Kinder einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben oder nicht. Dabei ist das unterschiedliche Bedürfnis der Kinder nach Rückzug oder Arbeit in kleinen Gruppen zu berücksichtigen.
Lernen in sinnvollen Zusammenhängen, individuell und in der Gemeinschaft, ist für alle Kinder gleich bedeutsam. Die vielfältigen Situationen in der heterogenen Klassen- und Schulgemeinschaft bieten in Form eines „Lernen in Echtsituationen" hierzu zahlreiche Anlässe.

3. Wir arbeiten in Klassen-Teams
Sobald eine Klasse im Gemeinsamen Unterricht arbeitet sind nach Möglichkeit zwei Lehrkräfte (Grundschullehramt und Sonderpädagogik) für jeweils eine Klasse zuständig und übernehmen gemeinsam Verantwortung für die pädagogische Arbeit. Dabei streben wir eine geteilte Klassenleitung an, können sie aber aufgrund der personellen Situation nicht immer durchhalten. Es ist wichtig, mehrere Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Lerngruppe aufzunehmen und damit eine Doppelbesetzung weitgehend zu ermöglichen.
Die Lehrkräfte regeln gemeinsam Belange ihrer Schülerinnen und Schüler und sprechen sich bei pädagogischen Entscheidungen ab. Beide Lehrkräfte sind für die Kinder und Eltern ihrer Klasse AnsprechpartnerInnen. Ermöglicht wird dies dadurch, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht separiert werden, sondern innerhalb des Unterrichts in ihrer Klasse gemäß ihrer Fähigkeiten arbeiten.
Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang aber auch der Forderung nach möglichst vielen Klassenlehrerinnenstunden zu, da diese Organisationsstruktur ein hohes Maß an Kontinuität bedeutet. Auch die Gewichtung der „Zeit für Eltern“ und „Zeit für Reflexion“ stellt eine wichtige Voraussetzung für die Zusammenarbeit in einer integrativ arbeitenden Klasse dar.
Einzelintegration hat sich nach unserer Erfahrung nicht bewährt. Auch der jeweilige Schwerpunkt der/des Sonderpädagogin/en ist demnach eher nachrangig. Notwendige Beratung durch Spezialisten und Fortbildung zu den Herausforderungen, die die konkreten Kinder mitbringen, sind dabei selbstverständlich.

4. Wir nutzen vorhandene Rahmenbedingungen und bemühen uns um Verbesserungen
Für das Gemeinsame Lernen sind die räumlichen und personellen Möglichkeiten von besonderer Bedeutung. Die durchgängige Arbeit in Klassenteams ist dabei genauso notwendig wie die Begrenzung der Klassengröße sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Kindern mit und ohne Förderbedarf. Grundsätzlich sollten diese drei Bedingungsfelder im Blick behalten und nicht zum Nachteil der betroffenen Kinder und MitarbeiterInnen aufgeweicht werden. Dennoch legen wir Wert darauf, dass jede einzelne Entscheidung im Spannungsfeld der vorhandenen Möglichkeiten geprüft werden muss. Wenn wir ein Kind ablehnen müssen, weil die vorhandenen Bedingungen nicht ausreichen, ist uns das Ansporn und Verpflichtung, diese Bedingungen zu verändern. Das langfristige Ziel unserer Bemühungen um Verbesserung der äußeren Bedingungen ist die Möglichkeit zur Aufnahme aller bei uns angemeldeten Kinder, unabhängig von Art und Umfang des Förderbedarfs. Nicht zu unterschätzen sind in diesem Zusammenhang die räumlichen Möglichkeiten, die für Differenzierung, Rückzug, lebenspraktisches und künstlerisches Lernen in  heterogenen Gruppen zur Verfügung stehen müssen. In diesem Bereich sind die Voraussetzungen in unserer Schule im Moment aufgrund fehlender Räume schwierig, so dass wir oft auf improvisierte oder sehr eingeschränkte Lösungen zurückgreifen müssen.

5. Wir suchen die Vernetzung mit vielen unterschiedlichen Erziehungs- und Bildungspartnern
Ein wichtiger Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit ist die Verankerung unserer Schule im Stadtteil. Schule als Ort der Begegnung, Beratung und Unterstützung bietet Eltern und Kindern ein niederschwelliges Angebot der persönlichen Unterstützung über den Schulvormittag hinaus. Auch die enge Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten des Stadtteils ist eine wichtige Schnittstelle, um Lernbiografien kontinuierlich und umfassend zu begleiten und mögliche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen.
Gelingende Erziehung und Bildung aller Kinder ist darauf angewiesen, vielfältige Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen anzubieten. Hierfür steht sowohl innerhalb der Schule (Beratungsstunden, therapeutische Einzelarbeit, kollegiale Fallbratungen) als auch im außerschulischen Bereich ein Netz von präventiven und stützenden Maßnahmen zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden in enger Absprache mit dem LehrerInnenteam der Klasse, dem gesamten Kollegium und/oder außerschulischen Therapieangeboten erarbeitet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Zusammenarbeit mit dem Regionalen Sozialen Dienst und die damit zusammenhängenden Möglichkeiten der Unterstützung von Familien. Die Unterstützung von Familien mit Kindern mit besonderem Förderbedarf wird seit Beginn der integrativen Arbeit von dem Verein INVEMA geleistet. Diese enge und erfolgreiche Kooperation ermöglicht in vielen Bereichen professionelle und unbürokratische Lösungen. Weitere wichtige Ansprechpartner sind das SPZ der Kinderklinik Siegen, das Zentrum für Autismus in Netphen sowie die Förderschulen in der Region. Über diese Kooperationen hinaus brauchen wir für Kinder mit umfangreichem Förderbedarf in Zukunft eine intensive Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Therapeuten vor Ort, um diese Kinder im Ganztagsbetrieb vor Ort versorgen zu können.
Neben der Vernetzung der gegenwärtigen Arbeit ist uns eine perspektivische Zusammenarbeit wichtig, damit allen Kindern in der Sekundarstufe eine Fortsetzung der integrativen Beschulung ermöglicht wird. Wir möchten diese Kontinuität unterstützen und suchen Formen der Kooperation mit weiterführenden Schulen.

6. Vernetzung und Unterstützung mit und von Schulen

Schulen lernen von Schulen. Als "Blick über den Zaun"-Mitgliedsschule sind wir überzeugt, dass eine Schule lernende Institution ist und zu jedem Zeitpunkt bleiben muss. Das Gemeinsame Lernen muss deshalb ständig weiterentwickelt werden. Dabei lernen wir auch von anderen Schulen. Gleichzeitig stehen wir Partnern und weiteren Schulen als Unterstützer zur Verfügung. Viele Lehrer/innen hospitierten deshalb in unserer Schule, nahmen an Vorträgen zu unserem Konzept teil und führten Gespräche mit unseren Kolleg/inn/en. Von der Bezirksregierung Arnsberg sind wir beauftragt als Unterstützerschule zu agieren, so sind wir Bestandteil von einem der vorhandenen Unterstützungssysteme im Kreis Siegen-Wittgenstein im Handlungsfeld Inklusion.

 eine der Schwerpunktschulen für den gemeinsamen Unterricht im Siegerland.

 

 

Jedes Kind hat einzigartige Merkmale, Interessen, Fähigkeiten und Lernbedürfnisse. Schulsysteme sollten so beschaffen sein, dass sie diese weite Variation in Merkmalen und Bedürfnissen berücksichtigen. Kinder mit besonderem Förderbedarf müssen Zugang zu allgemeinen Schulen haben, die ihren Förderbedarf im Rahmen einer kindzentrierten Pädagogik erfüllen sollten. Allgemeine Schulen mit inklusiver Orientierung sind die wirkungsvollsten Einrichtungen, um diskriminierende Vorurteile zu bekämpfen, eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und eine „Erziehung für alle“ zu gewährleisten“.

Erklärung der UNESCO, Salamanca, 1994

 

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenkonvention im März 2009 erhielt der Gemeinsame Unterricht eine neue Perspektive.

Die Erklärung von Salamanca wurde konkretisiert durch den Artikel 24 der UN-Konvention, in dem es heißt: “Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen …“.

 

Wir verstehen uns als „Schule auf dem Weg zur Inklusion“.

 

Eckpfeiler für das gemeinsame Lernen

 

  • Alle Kinder haben einen Anspruch auf eine hohe Qualität individueller Förderung.

  • Wir ermöglichen allen Kindern das Lernen in der gesamten Lerngruppe, in kleineren Teilgruppen und in Einzelförderung.

  • Wir arbeiten in Klassen-Teams.

  • Wir nutzen vorhandene Rahmenbedingungen kreativ und bemühen uns um Verbesserungen.

  • Wir suchen die Vernetzung mit vielen unterschiedlichen Erziehungs- und Bildungspartnern.

 

Zurzeit aktualisieren wir unser Konzept zum gemeinsamen Leben und Lernen.